21.2.07

Portugal O-Meeting

Am 16. Februar flog ich nach Lissabon und erreichte von dort nach einer über dreistündigen Autofahrt den Zentralort Sao Pedro do Sul in der Nähe von Viseu. Sao Pedro fand ich erst nach einigen Navigationsschwierigkeiten auf Umwegen. Auch mein Hotel in der weiteren Umgebung von Viseu fand ich nicht auf Anhieb und es war schon dunkel als ich dort anlangte.
In den nächsten Tagen hatte ich noch mehrmals Probleme, nach San Pedro zu fahren, denn eine neue Autobahn und einige verwirrende Kreisel führten mich immer wieder auf neue Umwege. Mit genügend Zeit und Benzin war ich trotzdem immer rechtzeitig an den Etappenorten.

Etappe 1 am Samstag,17.2. Von Sao Pedro do Sul ging es fast eine Autostunde aufwärts in die Berge. Das Wetter ziemlich gruselig: Regen, Nebel, Kälte und Wind. Offenes Laufgelände auf etwa 1100m Höhe, hügelig und bedeckt mit Steinfeldern. 16 Posten auf 2.4 km mussten wirklich "gefunden" werden. Meine Taktik: mit dem Kompass in den Postenraum und dann zwischen den Steinen suchen. Das Kartenbild im Postenraum war dermassen fein, dass ich Details kaum erkennen konnte. So verliert man natürlich jedesmal etwas Zeit. Eine etwas längere Suchaktion ergab sich bei P.4, bis ich den Posten hinten in einer Felsspalte entdeckte. Immerhin alle Posten richtig (im Vorjahr fiel ich am ersten Tag mit einem fehlenden Posten aus der Wertung). Nach dem Lauf schnell ins Auto und zurück ins Tal.
Es resultierte noch der 5.Tagesrang, aber schon mit gut 4 Minuten Rückstand.
Karte Gestoso 1


Der einzige schöne Tag in den Bergen (Etappe 2)

Die zweite Etappe fand im gleichen Gelände statt und wurde als "Challenge Day" angekündigt. Das Wetter hatte auf die gute Seite gedreht: Sonnenschein, aber immer noch kalt und windig. So hatte ich keine Sichtprobleme mehr und kam gut über die Strecke. Die Posten wieder fast alle in den Steinfeldern. Die Bahn war länger und wies weniger Posten auf als am Vortag. Zwischen P.11 und 12 benutzte ich die Gelegenheit, einige 100m auf Wegen zu laufen, wahrscheinlich eine gute Routenwahl.
Diesmal reichte es zum Tagessieg, wenn auch nur mit einem Vorsprung von weniger als einer Minute. In der Gesamtwertung rückte ich auf Platz 2 vor.
Während in den Bergen sonst vielfach Abfahrtsrennen angesagt sind, traf man hier eine happige Zielüberhöhung an. Das fand ich positiv, weil gelenkschonend...
Am Abend wurde noch ein Nacht-OL in Sao Pedro angeboten. Ich verzichtete aber auf die Teinahme und zog es vor, den Abend in der Pizzeria zu verbringen.
Karte Gestoso 2


Zur dritten Etappe, mit der schönen Bezeichnung "The Perfect Day", fuhr man an einen neuen Wettkampfort in die Berge. Das Wetter wieder schlechter: dichter Nebel bei der Anfahrt versprach nichts Gutes. Im Laufgebiet selber sah es dann wieder etwas besser aus. Fast kein Nebel und vor allem kein Regen.
Das Gelände sollte angeblich extrem schwierig sein, sehr steinig, grün und unübersichtlich. Der Kartenmassstab 1:7500 liess immerhin auf gute Lesbarkeit hoffen. Es waren 19 Posten auf 2.7 km anzulaufen.
Mein Start, im einfacheren Teil, verlief etwas unsicher, ich hatte Mühe, die Startflagge zu finden, die einfach "irgendwo" nach dem Zeitstart im Wald stand. Den Posten 2 überlief ich und war schon nahe bei P.3, das waren schon mal 3 Minuten Zeitverlust. Auf dem Weg zu P.5 verlor ich den Kartenkontakt und damit bei der Suchaktion weitere 3 Minuten. Vor P.9 liess ich mich von einem höher am Hang liegenden Posten ablenken und stieg hoch, statt tiefer zu laufen. Ueber die restlichen 10 Posten blieb ich fehlerfrei.
Fehlertotal ungefähr 7 Minuten. Die Konkurrenten begingen aber zum Teil noch viel gröbere Fehler, es resultierte noch der dritte Tagesrang und vor dem Jagdstart lag ich ebenfalls auf Rang 3. Die Ausgangslage damit sehr gut, denn auf die beiden führenden Skandinavier hatte ich nur eine Minute Rückstand.
Karte Campo de Anta


Die abschliessende vierte Etappe fand in der Nähe der dritten statt. Das Gelände allerdings wieder offen mit den üblichen Steinfeldern und Felsformationen. Wettermässig sah es vorerst einmal miserabel aus: Nebelschwaden, ein bissiger kalter Wind und immer wieder Regen, der zeitweise mit Schnee gemischt war. Zum Glück besserten sich die Verhältnisse einige Minuten vor dem Start und zeitweise sah man sogar die Sonne.
Ich startete also etwa eine Minute nach dem Massenstart der führenden Läufer aller Kategorien. Die lange Strecke zur Startflagge war für meinen Geschmack wieder etwas spärlich markiert und so geriet ich etwas ins Zögern. Der erste Posten in einem Blockfeld hatte bereits seine Tücken. Ich überlief ihn und suchte 2 bis 3 Minuten zwischen den Felsbrocken am Abhang. Anschliessend ging es dann ganz gut, ein paar kleinere Zeitverluste im 20 Sekundenbereich waren noch akzeptabel. Glück hatte ich beim P.11, diesen sah man nämlich erst aus etwa 1 Meter Distanz in einer Felsnische. Die letzten Posten waren dann wieder von der einfacheren Sorte.
Karte Coelheira

Im Ziel war die Situation unklar, ich nahm aber an, dass es mir aufs Podest gereicht hatte. Nachdem auch nach einer Stunde keine Resultate zu sehen waren, fuhr ich wieder ins Tal.

Später bei der Siegerehrung stellte es sich heraus, dass ich als erster eingelaufen war! Also wieder voll rehabilitiert nach dem schlechten Abschneiden im Vorjahr...

Dieser Kompass braucht einen kräftigen Daumen!
(Gewicht: 630 g)


Fazit: Technisch waren das die schwierigsten Läufe, die ich je in Portugal bestritten hatte. Umso schöner also der Sieg bei diesem Anlass.
Wettermässig hätte es natürlich schon etwas besser und vor allem wärmer sein können. Allerdings muss man in den Bergen im Februar auch in Portugal keine Wunder erwarten. Die Organisatoren kann man fragen, warum sie die Läufe im Februar nicht in den Dünen legen und die Berge für den Sommer reservieren (WMOC 2008 in Marinha Grande).
In jedem Fall wird das Portugal O'Meeting 07 als eindrückliches Erlebnis haften bleiben.


Auf dem weiteren Programm stehen nun 2 Tage Training an der Küste bei Mira in den schönen Dünenwäldern bei hoffentlich angenehmen Temperaturen. Dann geht es am nächsten Wochenende mit dem 2-Tage-OL im Alentejo weiter.

Ranglisten

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Herzliche Gratulation zu deinem Sieg!

Da haben wohl die ersten 2 auf dem Jagdstart das Nervenflattern gekriegt.